Elisabeth Kusserow

geboren am 16.04.1925 in Bochum

Elisabeth Kusserow, 1945. Jehovas Zeugen, Archiv Zentraleuropa

Elisabeth Kusserow, 1945. Jehovas Zeugen, Archiv Zentraleuropa

Ab 1933 bekam Elisabeth immer wieder mit, wie ihr Elternhaus von der Gestapo durchsucht und verwüstet wurde, weil diese auf der Suche nach verbotener, bibelerklärender Literatur von Zeugen Jehovas waren.

Aufgrund der Verweigerung des Flaggen- sowie Hitlergrußes war sie schon als Kind in der Schule den Schikanen des Schulleiters, Herrn Wellpott, ausgesetzt. Dies führte so weit, dass Herr Wellpott das Jugendamt verständigte. Daraufhin wurde vom Amtsgericht Paderborn ein Beschluss gegen Elisabeth und ihre zwei Geschwister, Hans Werner und Paul Gerhard, erlassen, der ihren Eltern das Sorgerecht entzog. Ohne Vorwarnung wurden die drei Kinder – Elisabeth mit nur 13 Jahren – am 7. März 1939 von einem Sturmführer und einem Polizeibeamten abgeholt und in ein Heim für schwer erziehbare und kriminelle Jugendliche nach Dorsten gebracht. Lange wusste keiner in der Familie, wohin die drei Jüngsten gebracht worden waren. Über diese Zeit berichtete Elisabeth in einem Zeitzeugenbericht: „Für uns war es ein sehr schwerer Augenblick, den man wohl nie vergisst, als uns im Frühjahr 1939 der Schulleiter als geistig und sittlich verwahrlost denunzierte und dafür sorgte, dass wir auf Gerichtsbeschluss von der Schule abgeholt und an einen unbekannten Ort verschleppt wurden. Ich war 13, Hans Werner 9 und der kleine Paul Gerhard gerade 7 Jahre alt.“1

Im Heim wurden sie voneinander getrennt. Elisabeth sah ihre beiden Brüder erst nach vier Monaten wieder, als die Kinder in ein anderes Heim gebracht wurden. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen wurde ihnen erzählt, sie kämen nach Hause zu ihrer Familie. Voller Vorfreude malten sie sich auf der Fahrt aus, wie es zu Hause wohl sein würde, bis sie vor einem weiteren ihnen unbekannten Gebäude, dem Kinderheim in Nettelstedt bei Minden, anhielten.

Als ältere Schwester war sie die erste Anlaufstelle für ihre Brüder, die ihr ihren Kummer erzählten. Über die Erlebnisse ihres Bruders Hans Werner sagte Elisabeth später: „Gern hätte ich diese Misshandlungen auf mich genommen, als das mit anzusehen.“2 Die Erzieher setzten Elisabeth unter Druck, auf Hans Werner einzureden, seine Glaubensüberzeugungen aufzugeben, doch das konnte sie mit ihrem „Gewissen nicht vereinbaren“.

Ihre Eltern durften die drei in der ganzen Zeit offiziell nicht sehen. Trotz Verbots und unter größtem Risiko nahm ihre Mutter Hilda trotzdem Kontakt auf, sodass einige Treffen unter Zuhilfenahme anderer erfolgreich waren.

Am 11. August 1940 kam Elisabeth in ein NSV-Heim für Mutter und Kind in Holzminden. Im April 1941 arbeitete Elisabeth vom Heim aus als Blumengehilfin in einem Blumengeschäft mit Gärtnerei in Dützen bei Minden. Sie bekam gewisse Erleichterungen und konnte trotz Verbot einige Male ihre Schwester Annemarie in Berlin besuchen.

Im Frühjahr 1945 wurde sie durch den Einmarsch der Alliierten befreit, arbeitete aber noch weiter in der Gärtnerei bis ihre Schwester Hildegard sie auf ihrer Heimreise aus dem Kyffhäuser mit nach Bad Lippspringe nahm.


  1. Reuter, Magdalena (geb. Kusserow), Die Liebe meiner Familie zu Gott trotz Gefängnis und Tod, in: Der Wachtturm, 01.09.1985, hg. Von Jehovas Zeugen, S. 10-15. ↩︎

  2. Kusserow, Hans Werner, Der lila Winkel, Bonn 1998, S. 234. ↩︎